Potenzialanalyse: Naturräumliches Potenzial der Region "Energiewende Oberland" für die Strom- und Wärmeproduktion mit Erneuerbaren Energien

Im Projekt „INOLA“ erarbeiten fünf Projektpartner aus Wissenschaft und Praxis im Dialog mit den Akteuren der Region Lösungsansätze, wie das ambitionierte Ziel einer bis 2035 allein durch Erneuerbare Energien (EE) sichergestellten Energieversorgung umgesetzt werden kann. Dazu wurde zunächst eine fundierte Ist-Analyse durchgeführt, die alle bereits bestehenden EE-Anlagen und ihren Anteil am gesamten abzudeckenden Energiebedarf untersucht. Darauf aufbauend wurden anschließend die EE-Potenziale für die Region quantifiziert. Anhand der wissenschaftlichen Basis der Potenzialanalyse können nun in der Region mögliche Entwicklungspfade erarbeitet und ihre jeweiligen Chancen und Risiken erörtert werden. Die Gesamtergebnisse der Potenzialanalyse sind nachfolgend zusammengefasst.

Welche Erneuerbare Energien (EE) wurden in der Potenzialanalyse berücksichtigt?

Bei den in der Potenzialanalyse berücksichtigten EE handelt es sich um Photovoltaik/Solarthermie, Wasserkraft, Windkraft, Biomasse/Biogas, Geothermie und Pumpspeicher.

Welches Potenzial für die Stromproduktion aus EE besteht im Oberland insgesamt?

Abbildung 1 zeigt die Potenziale der jährlichen Stromerzeugung der EE in der Region „Energiewende Oberland“ sowie den Stromverbrauch 2014.

Strompotenzial Abbildung 1: Potenziale für die Stromproduktion in der Region „Energiewende Oberland“ mit den ausgewählten EE-Erzeugungsformen Photovoltaik (PV), Biomasse, Windkraft, Laufwasserkraft, Pumpspeicher und Tiefengeothermie. Der erste Balkenstrich zeigt das bereits genutzte Potenzial der Region an, während der restliche Balken das noch ungenutzte Potenzial der Region markiert. Die Angaben sind in GWh pro Jahr. Die orange-gestrichelte Linie zeigt den aktuellen Stromverbrauch der Region „Energiewende Oberland“ im Jahr 2014 von 2.188 GWh/a an.

Die größten Möglichkeiten bietet demnach die Nutzung der Photovoltaik auf Freiflächen. Allerdings bezieht sich die Darstellung hier auf die Nutzung der gesamten zur Verfügung stehenden Fläche der Region, soweit diese naturräumlich und rechtlich praktikabel ist. Dies ist weder realistisch noch nötig, wie der aktuelle jährliche Stromverbrauch (orange-gestrichelte Linie) von 2.188 GWh/a zeigt. Bei Nutzung aller verfügbaren Dach- und Fassadenflächen wäre mit  ca. 1.180 GWh/a die Hälfte des  Strombedarfs der Region gedeckt. Aufgrund der derzeit geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen sind kaum Flächen zur Nutzung für Windkraft in der Region vorhanden, so dass sich hier ein relativ geringes Potenzial ergibt. Die Nutzung der Wasserkraft leistet bereits heute einen beachtlichen Beitrag zur Stromerzeugung in der Region, das Potenzial eines weiteren Ausbaus ist jedoch nur gering. An möglichen Standorten könnte man allerdings mit Pumpspeicherkraftwerken in der Region sehr viel Strom produzieren und hätte zudem den Vorteil der Speicherung und Steuerung. Diesen Vorteil bietet auch die Biomasse, die – ebenfalls unter der Annahme, dass die kompletten Grünland- und Maisflächen genutzt werden – den Stromverbrauch der Region decken könnte. Schließlich kann die Tiefengeothermie noch einen Beitrag leisten und maximal etwa ein Viertel des derzeitigen Verbrauchs decken.

Welches Potenzial für die Wärmeproduktion aus EE besteht im Oberland insgesamt?

Bei der Wärme stellt sich die Situation in der Region „Energiewende Oberland“ etwas anders dar. Das Potenzial von Solarthermie, Biomasse und Geothermie (siehe Abbildung 2) zeigt, dass auch im Bereich der Wärme ein großer Schritt zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern gemacht werden kann. Jedoch ist hier gleichzeitig eine Reduzierung des aktuellen Wärmebedarfs notwendig.

 Wärmepotenzial

Abbildung 2: Potenziale für die Wärmeproduktion in der Region „Energiewende Oberland“ mit den ausgewählten EE-Erzeugungsformen Solarthermie, Biomasse und Geothermie. Der erste Balkenstrich zeigt das bereits genutzte Potenzial der Region an, während der restliche Balken das noch ungenutzte Potenzial der Region markiert. Die Angaben sind in GWh pro Jahr. Die rot-gestrichelte Linie markiert den aktuellen Wärmebedarf der Region im Jahr 2014 von 5531 GWh/a.

Das größte Potenzial zur Wärmeproduktion besteht in der Nutzung der Biomasse. Die potenzielle Erzeugung der Geothermie wurde mit 658 GWh/a berechnet, so dass sich etwa ein Fünftel des gesamten Wärmebedarfs von 2014 abdecken ließe. Bei Nutzung aller Dachflächen könnten theoretisch drei Viertel des gesamten Wärmebedarfs der Region gedeckt werden. Bei den Potenzialen aus Biomasse und Solarthermie ist jedoch jeweils die Konkurrenz zur Stromerzeugung zu beachten.

Ausführlichere Zusammenfassungen zu den einzelnen Energieerzeugungsformen finden Sie hier:

Solarenergie

Windkraft

Wasserkraft

Biomasse

Geothermie

 

Eine Gesamtübersicht über die Potenziale aller EE-Erzeugungsformen finden Sie hier.

Anmerkung:

Das Potenzial jeder Energieerzeugungsform wurde einzeln und für sich genommen ermittelt –unabhängig davon, ob am selben Standort auch Potenziale für andere Energieformen bestehen (Bsp. Dachflächen können für Photovoltaik und Solarthermie genutzt werden; genutzte Flächen für Freiflächenphotovoltaik stehen nicht mehr zur landwirtschaftlichen Nutzung und damit zur Biomasseerzeugung zur Verfügung). Daraus resultiert, dass die berechneten Energiepotenziale verschiedener Energieformen (Bsp. Freiflächen-PV und Biomasseproduktion) nicht addiert werden dürfen.

Der Grund für dieses Vorgehen ist die starke Flächenkonkurrenz unter den einzelnen erneuerbaren Energieerzeugungsformen und zwischen Energieerzeugung und weiterer Flächennutzung (Bsp. Landwirtschaft). Da die Entscheidung, wie die Flächen der Region zukünftig genutzt werden sollen bei den Akteuren der Region liegt, wurde in der wissenschaftlichen Analyse keine Auswahl getroffen.